Nicht für die Uni, sondern fürs Texten gelernt.

Oder: Hinter Hecken verstecken.

Ich war ja nicht immer Werbetexterin. Da gab es noch ein Leben „vorher“. Da habe ich unter anderem studiert. Das war schön! Das lag bestimmt auch an meinem Hauptfach: Psycholinguistik und Sprechwissenschaft. Nein, das ist keine Extremsportart.

Wie in so vielen Fächern gab es da eine Einführungsveranstaltung – also, dass Du und ich klar sind: wir sprechen hier von Jahren, die dieses Studium her ist, vielleicht ist jetzt alles anders und computergesteuert, mit Robotern als Dozenten oder auf den Mond ausgelagert, das weiß ich nicht. Wo war ich? Ach ja: In der Einführungsveranstaltung lernte man die Entstehung der Psycholinguistik, die Bereiche, die Abgrenzung zu anderen Studienfächern usw. Ich will gar nicht so tief einsteigen – ist ja schon ein bisschen her.

Was mir da aber im Gedächtnis blieb, ist ein Ausdruck, den ich lustig fand. Da war von „Hecken“ die Rede. Diese sprachlichen Hecken (um die es in der Vorlesung ging) haben mit „echten“ Hecken (also den Pflanzen) viel gemeinsam. Man kann sich sprachlich hinter ihnen verstecken, man platziert sie gezielt (ob bewusst oder unbewusst). Sie relativieren das Gesagte. Da gibt es schon noch genügend andere Definitionen und Regeln dazu, aber diese Details weiß ich eben noch. Also, wir relativieren Aussagen. Die Gründe liegen in der Kommunikation mit einem Gegenüber. Durch Hecken können sowohl wir uns als auch den Adressaten schützen, wir können ihn damit verwirren oder auf eine Fährte bringen. Dabei sind diese Hecken nicht an bestimmten Wörtern festgemacht, sondern liegen in der Formulierung, im Kontext.

Für das Texten ist das interessant, weil man da etwas bezwecken will. Und man kann diese Hecken nicht von vorn herein verteufeln, weil sie gerade durch ihre Relativierung Aussagen auch glaubwürdiger machen können. Denn wer zugeben kann, etwas z.B. „sozusagen“ zu finden, zeigt dem Gegenüber an, dass er sich auch nicht ganz sicher ist. Oder er bestärkt seinen Standpunkt durch ein „Ich denke“. „Nicht ganz“, „streng genommen“, „in der Art“ – alles Möglichkeiten von Hecken.

Am besten sollen Hecken also keine Aussichten (Aussagen) verdecken, sondern dazu hinführen, sie hervorheben. Und sie sollen da schützen, wo es sinnvoll ist. Die Kunst ist, sie so einzusetzen, dass sie ihren Zweck erfüllen. Eigentlich wie ein Landschaftsgärtner. Eine schöne Vorstellung.

Ich „hecke“ ja gern viel und ausdauernd. Das macht mir Spaß. Gerade hier geht das perfekt. Mein eigener kleiner Garten sozusagen. Der sich zu einem Hecken-Labyrinth auswächst. Aber das ist definitiv eine andere Geschichte …