Wo sind all die Banner hin?

Oder: Function follows nothing.

 Langsam schleiche ich mich an. Lauere lautlos, nur dass ich nicht gewittert werde. Sonst ist alles vorbei. Die lange Suche, das zeitraubende Anschleichen, die eingeschlafenen Beine beim regungslosen Verharren. Und dann presche ich aus dem Unterholz, stürze mich johlend auf meine Beute und kriege ihn endlich, nach unendlichem Warten zu fassen: den Einfall für meinen heutigen Artikel.

Wie das Thema einen manchmal anspringt, so muss man manchmal auch selbst auf die Jagd gehen, um sich eins zu ergattern. Nicht immer einfach oder eine Sache von logischem Aufbau. Ich mag das.

Ist Dir in letzter Zeit – was wirklich ein dehnbarer Begriff ist – nicht auch aufgefallen, dass Banner, Werbebanner im Internet nicht mehr so der Burner (sprich: „Börner“) sind? Was ich damit meine, sind die einfallsreichen kleinen Bannerchen, die z.B. durch eine interaktive Funktion oder einen kleinen Kniff besonders waren. Früher – und auch dieser Begriff ist dehnbar, spätestens seit „Zurück in die Zukunft“ – gab es diese Banner. Teilweise war ich sogar bei ihrer Kreation beteiligt. Das mussten keine Award gewinnenden Sachen sein, nur einfach, dass man Spaß an den Dingern hatte. Und dazu eben noch eine Werbebotschaft rüberkam. Natürlich in sinnvollem Einklang. Aber so, auf „normalsterblichen“ Seiten, gibt es solche Banner gar nicht mehr. Vielleicht expanden sie noch – also werden größer, wenn man mit der Maus drübergeht. Oder sie sind mal eine Banderole und am unteren Bildschirmrand über die gesamte Seite zu sehen, wenn man sie nicht einfach so schnell wie möglich wegklickt.

Das originellste Banner, das mir seit langer Zeit mal untergekommen ist, war solch eine Banderole, wo der „Schließen“-Button nicht diese Funktion hatte. An der gewohnten, gelernten Stelle (oben rechts) war zwar auch ein Kreuz, auch gelernt für „schließen“. Das führte aber auf eine Landingpage. Clever? Eher abschreckend. Das hat einen Klick, aber 1.000%ig keine Sympathiepunkte erzielt. Eigentlich gar nicht originell, eher erschreckend, abschreckend und schade.

Also, wer macht noch schöne Banner? Ich bin dabei!

Bis hierhin und nicht weiter.

Oder: Wo Grenzen Freiheit bringen können. 

Heute ist mein Thema: das Thema. Diesmal hatte ich nämlich länger überlegt, über was ich denn diese Woche schreiben will. Und es ist ja gar nicht so einfach. Zwar ist das Schreiben an sich ja ein gutes Thema. Aber eben auch ein weites Feld.

Auf solchen weiten Feldern ist das Arbeiten schwierig. Wo fange ich an? Wo mache ich weiter? Bin ich hier richtig? Interessiert das überhaupt jemanden? Solche Fragen behindern nicht nur den Prozess – in diesem Falle eben das Schreiben und sie machen ihn unnötig schwer.

Aber dieses „Wo mache ich weiter?“ – ich finde, das bringt einen schon weiter. Gerade, wenn es keinen vorgegebenen Weg gibt, wenn das Ziel noch im Ungewissen liegt. Da kannst Du Dich von einem zum nächsten hangeln – Du machst Dir selbst Deinen Weg. Vielleicht sollte man manche Themen nicht als Felder, sondern Wege ansehen, die beschritten werden müssen, um eine Richtung zu finden. Um zum Ziel zu kommen. Und dann ergibt sich daraus ein Thema. Ein Feld, das genau die richtige Größe hat für Deine Absichten.

Woran liegt das wohl, dass man eigentlich lieber frei sein möchte? Und ist man frei, sehnt man sich nach Grenzen. Nach einem Ritual oder einer Routine, die so vieles leichter machen. Weil links und rechts kein Platz ist. Oder sein darf. Und somit sich ein Weg ergibt oder ein abgestecktes Gebiet, das man überblicken kann. Und darin kann ich mich sicher fühlen und entfalten.

Berüchtigte Grenzen sind die, die Eltern ihren Kindern setzen. Damit sie sie einhalten, überschreiten, sich daran festhalten oder sie als unnötig ansehen können. Ich will hier gar nicht werten. Denn ich sage es gern noch einmal: Ohne Grenzen ist so viel gar nicht möglich, weil es einfach in der Luft hängen würde. Oder es völlig zusammenhanglos dastünde. Und was ist dann schon eine Tat, ein Gedanke, ein Text – der einfach nur so dasteht? Ohne etwas anzustoßen. Oder auch mal zu überschreiten. Aber was brauche ich dafür? Eine Grenze eben.