Alles der Reihe nach

Oder: Der Nächste, bitte! 

Ich liebe Ordnung. Nicht nur im Sinne von: aufgeräumte Wohnung. Nein, auch als Reihen, sinnvolle Zusammenstellungen, Aufzählungen. Leider sieht es bei uns zuhause meist nicht danach aus. Aber das nur am Rande.

Wie die Reihenfolge der Farben z.B. bei einem Regenbogen essentiell ist, so ist auch beim Texten die Reihenfolge der Argumente besonders zu beachten. Man nimmt ein bisschen vom vorherigen Gedankengang und arbeitet sich weiter vor. Bis hin zum fertigen Text. Wie bei den Regenbogenfarben wechselt man im besten Falle wie von selbst von einer zur nächsten. Gelb wird zu Grün, das Gelb „geht“ und Blau folgt automatisch nach. Dieses „automatisch“ strebt man auch beim Texten an. Ganz einfach kann man das mit Bezügen auf den vorhergehenden Satz herstellen („hierfür“, „dabei“, „diese“ …). Die hohe Texterkunst besteht jedoch darin, sich ganz von solchen „Hilfsmitteln“ zu befreien und nur inhaltlich den Übergang von einem Gedanken zum nächsten zu schaffen.

Wir stehen auf Übergänge: im Alltag, in der Beziehung, in der Mode, … Man will keinen abrupten Bruch, möchte gern noch ein bisschen am Alten festhalten. Warum ist das so? Der Mensch ist eben ein „Gewohnheitstier“. Das macht uns oft das Ausbrechen aus dem Gewohnten, aus der Reihe so schwierig. Hey, Moment mal! Gerade noch waren Reihen und Übergänge doch so gut. Aber jetzt hört sich das alles ein bisschen nach zaghaft und unaufgeschlossen an. Stimmt schon. Schließlich haben Wörter wie „bipolar“ und „zweischneidig“ auch ihre Daseinsberechtigung. Das ist doch das Spannende.

Und was dann ist die Quintessenz aus diesem Text? Die bleibt einfach offen. Denn das ist oft ein guter Weg aus Zaghaftigkeit, Gewohntem, Übergangssehnsucht und Uneinigkeit: Offenheit.