Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Oder: Von einer Schlange, die sich in den Schwanz beißt.

 „Noch 5, 6, 7, 8. Und schneller – atmen! – 5, 6, 7 und 8.“ Das hört sich an wie aus den Achzigern – die letzte Aerobic-Stunde mit Glitzerbody und Stirnband in Pink. Gut, dass wir hier keine Bilder haben!

Oder vielleicht doch nicht so gut. Denn sich selbst nach außen zu tragen, das ist schon eine Art von Selbstmotivation. Damit meine ich, dass Du als Selbstständiger ja oft keinen unmittelbaren Zuspruch, keine Kritik, keine konstruktiven Ratschläge von Kollegen hast. Du sitzt da eben. Niemand sonst. An Deinem Computer. Natürlich bekommt Dein Auftraggeber Deine Produkte zu Gesicht. Aber wie kommst Du bis dahin? Das, was Du fabrizierst, das schaust erstmal Du Dir an. Und das war’s dann auch. „Super! Toll gemacht!“

Aber das reicht eben nicht zur Selbstmotivation. Denn das glaubst Du Dir auf Dauer ja selbst nicht! Wie also damit umgehen, auf Dich gestellt zu sein?

1) Raus damit!

Ja, genau. Ein Blog z.B. ist eine Möglichkeit, sich mal wieder anders mit seinen alltäglichen Tätigkeiten auseinander zu setzen. Man ist öffentlicher, stellt sich dar, trägt etwas weiter. Die Frage hier ist: Wie will ich wirken? Was machen andere? Wieso mache ich das? Aber auch: Worüber soll ich schreiben? Wen interessiert das? Denn schon allein, wenn Du es für Dich tust (um z.B. Deine verstreuten Freunde über Dein Leben zu informieren, ein Archiv aufzubauen, ähnlich eines Tagesbuchs oder auch etwas über Deine Arbeit schreiben willst), gehst Du neu motiviert an die Sache ran. Da ist nichts hypothetisch, nichts abstrakt, nichts Fake. Denn am Ende steht da ein Text, ein Bild, eine Zeile. Und das ist von Dir. Gut gemacht!

2) Weg damit!

Was mir auch oft hilft, ist das Verwerfen. Oft schreibe ich und schreibe ich. Alles durcheinander und verschwurbelt. Denn kürzen, das geht ja immer. Aber auch Gedankengänge zu verfolgen, das ist eben oft eine Sache von ausmisten. Dann hat man den Kopf, … äh Text eben frei von dem anderen Ballast.

Neulich erst hatte ich was, da war ich ja so was von überzeugt von, dass ich das nie mehr wiederholen könnte. Dass das genau so, wie es da stand unwiederholbar wäre. Das stand auf einem Zettel. Der Zettel ging verloren (bzw. habe ich ihn an einen Ort gelegt, an dem ich ihn 1005ig wieder finden werde – ich bin immer noch auf der Suche. Kurz: Er ging verloren!). Und dann hab’ ich mich wieder hingesetzt und hab’ es noch mal aufgeschrieben. Und es ist einfach wieder richtig gut geworden! Vielleicht nicht genau dasselbe. Aber vielleicht auch deshalb noch besser.

3) Ab damit!

Und dann muss es auch abrufbar sein. Eben nicht nur Du als Person („Ja, das lässt sich einrichten.“), sondern auch Deine Gedanken, Deine Leistung, Dein Fachgebiet. Man kann nicht immer in der Laune sein. Mann kann nicht immer musengeküsst, frisch geduscht, good-hair-day-startklar und satt sein. Nein. Manchmal muss man einfach los, anfangen, sich reinstürzen. Dann kannst Du löschen (s. Weg damit) und es am Ende auch einer Öffentlichkeit präsentieren (s. Raus damit!), aber angefangen musst Du haben. Vielleicht 1x, vielleicht 5x. Auch wenn das vor einer Woche war. Und heute eben heute ist. Das pusht, weil man es fertigmachen will.

So. Und am Ende steht der Anfang. Denn so stimmt dieses alte, komische Sprichwort, das ich früher nie verstand (weil ich immer dachte, „das Gute“ im Sinne von Cinderella bzw. ob dann das Böse wohl gar nichts tut …): „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Und das ist dann der Anfang.

Wo sind all die Banner hin?

Oder: Function follows nothing.

 Langsam schleiche ich mich an. Lauere lautlos, nur dass ich nicht gewittert werde. Sonst ist alles vorbei. Die lange Suche, das zeitraubende Anschleichen, die eingeschlafenen Beine beim regungslosen Verharren. Und dann presche ich aus dem Unterholz, stürze mich johlend auf meine Beute und kriege ihn endlich, nach unendlichem Warten zu fassen: den Einfall für meinen heutigen Artikel.

Wie das Thema einen manchmal anspringt, so muss man manchmal auch selbst auf die Jagd gehen, um sich eins zu ergattern. Nicht immer einfach oder eine Sache von logischem Aufbau. Ich mag das.

Ist Dir in letzter Zeit – was wirklich ein dehnbarer Begriff ist – nicht auch aufgefallen, dass Banner, Werbebanner im Internet nicht mehr so der Burner (sprich: „Börner“) sind? Was ich damit meine, sind die einfallsreichen kleinen Bannerchen, die z.B. durch eine interaktive Funktion oder einen kleinen Kniff besonders waren. Früher – und auch dieser Begriff ist dehnbar, spätestens seit „Zurück in die Zukunft“ – gab es diese Banner. Teilweise war ich sogar bei ihrer Kreation beteiligt. Das mussten keine Award gewinnenden Sachen sein, nur einfach, dass man Spaß an den Dingern hatte. Und dazu eben noch eine Werbebotschaft rüberkam. Natürlich in sinnvollem Einklang. Aber so, auf „normalsterblichen“ Seiten, gibt es solche Banner gar nicht mehr. Vielleicht expanden sie noch – also werden größer, wenn man mit der Maus drübergeht. Oder sie sind mal eine Banderole und am unteren Bildschirmrand über die gesamte Seite zu sehen, wenn man sie nicht einfach so schnell wie möglich wegklickt.

Das originellste Banner, das mir seit langer Zeit mal untergekommen ist, war solch eine Banderole, wo der „Schließen“-Button nicht diese Funktion hatte. An der gewohnten, gelernten Stelle (oben rechts) war zwar auch ein Kreuz, auch gelernt für „schließen“. Das führte aber auf eine Landingpage. Clever? Eher abschreckend. Das hat einen Klick, aber 1.000%ig keine Sympathiepunkte erzielt. Eigentlich gar nicht originell, eher erschreckend, abschreckend und schade.

Also, wer macht noch schöne Banner? Ich bin dabei!

Bis hierhin und nicht weiter.

Oder: Wo Grenzen Freiheit bringen können. 

Heute ist mein Thema: das Thema. Diesmal hatte ich nämlich länger überlegt, über was ich denn diese Woche schreiben will. Und es ist ja gar nicht so einfach. Zwar ist das Schreiben an sich ja ein gutes Thema. Aber eben auch ein weites Feld.

Auf solchen weiten Feldern ist das Arbeiten schwierig. Wo fange ich an? Wo mache ich weiter? Bin ich hier richtig? Interessiert das überhaupt jemanden? Solche Fragen behindern nicht nur den Prozess – in diesem Falle eben das Schreiben und sie machen ihn unnötig schwer.

Aber dieses „Wo mache ich weiter?“ – ich finde, das bringt einen schon weiter. Gerade, wenn es keinen vorgegebenen Weg gibt, wenn das Ziel noch im Ungewissen liegt. Da kannst Du Dich von einem zum nächsten hangeln – Du machst Dir selbst Deinen Weg. Vielleicht sollte man manche Themen nicht als Felder, sondern Wege ansehen, die beschritten werden müssen, um eine Richtung zu finden. Um zum Ziel zu kommen. Und dann ergibt sich daraus ein Thema. Ein Feld, das genau die richtige Größe hat für Deine Absichten.

Woran liegt das wohl, dass man eigentlich lieber frei sein möchte? Und ist man frei, sehnt man sich nach Grenzen. Nach einem Ritual oder einer Routine, die so vieles leichter machen. Weil links und rechts kein Platz ist. Oder sein darf. Und somit sich ein Weg ergibt oder ein abgestecktes Gebiet, das man überblicken kann. Und darin kann ich mich sicher fühlen und entfalten.

Berüchtigte Grenzen sind die, die Eltern ihren Kindern setzen. Damit sie sie einhalten, überschreiten, sich daran festhalten oder sie als unnötig ansehen können. Ich will hier gar nicht werten. Denn ich sage es gern noch einmal: Ohne Grenzen ist so viel gar nicht möglich, weil es einfach in der Luft hängen würde. Oder es völlig zusammenhanglos dastünde. Und was ist dann schon eine Tat, ein Gedanke, ein Text – der einfach nur so dasteht? Ohne etwas anzustoßen. Oder auch mal zu überschreiten. Aber was brauche ich dafür? Eine Grenze eben.

Wie einfach schreiben einfach wird.

Oder: „Wenn Du denkst, Du denkst, dann denkst Du nur, Du denkst.“ (Juliane Werding)

Es gibt diesen absolut richtigen Zeitpunkt oder Moment. Die alten Griechen hatten dafür ein Wort: „kairos“ hieß das. Da ist man an einem Punkt angelangt, da passt einfach alles: der Ort, die Zeit, die Motivation, die Inspiration. Ja, so ein „kairos“, das hätte man gern pünktlich zum Arbeiten, für ein schwierige Besprechung, für die Einschulung der Kinder oder für pure Entspannung.

Ich verrate Dir mal ein Geheimnis, das aber die alten Griechen meiner Meinung nach schon kannten (muss wohl irgendwie verloren gegangen sein): Diesen Zeitpunkt gibt es nicht. Jedenfalls nicht so losgelöst. Und bevor Du fragst: „Wieso sollte ich jetzt noch weiterlesen?!“, kann ich Dich beruhigen: Man kann ihn sich schaffen. Denn wie so oft im Leben ist es auch hier so, dass Du dafür was tun musst.

Die Griechen übten, übten, übten. Aus der Praxis nämlich erwuchs dieser Moment. Und dann kommt er von selbst. Ist einfach da. Ungeplant, Unerwartet. Hört sich lapidar an, aber es ist so. Es gibt ein schönes Sprichwort,: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Das hört sich einfach an. Stell’ Dir vor, Du stehst an einer Klippe und bist im Begriff, ins Meer zu springen. Alles sicher, alles tief genug. Rettungsschwimmer stehen bereit. Wenn Du es tust: Hammer! Und gehst Du wieder zurück, hast Du zumindest mal runtergeschaut. Und schaffst morgen vielleicht einen kleinen Schritt weiter. Aber eben: Solange Du es nicht tust, wirst Du’s nicht erleben.

Und solange Du nicht anfängst zu schreiben, wirst Du den richtigen Moment dafür nicht erleben. Es ist wie beim Sprechen vor Publikum: Ohne Übung bleibst Du unsicher. Aufregung hin oder her, das ist vielleicht auch Typsache, aber die Versiertheit, die Erfahrung, die bekommst Du nur beim Machen. Dass dabei viel in die Hose geht, viel Arbeit und Schweiß mit dabei ist, das ist nun mal Bestandteil des Deals. Dafür gibt es wahllos eingestreut diese besonderen Momente. Außerirdisch gute Momente. Dafür lohnt sich das alles.

Heutzutage haben wir eine Kulturbewegung der „Macher“. Die nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand – von DIY bis hin zu Start-ups, von Brauereien bis hin zu temporären Tattoos. Am Puls der Zeit ist, wer sich traut, das zu machen, was er haben oder machen will. Oder was er schreiben will. Und je öfter man es tut, desto einfacher wird es. Eigentlich einfach. Denk’ mal drüber nach.

Nicht für die Uni, sondern fürs Texten gelernt.

Oder: Hinter Hecken verstecken.

Ich war ja nicht immer Werbetexterin. Da gab es noch ein Leben „vorher“. Da habe ich unter anderem studiert. Das war schön! Das lag bestimmt auch an meinem Hauptfach: Psycholinguistik und Sprechwissenschaft. Nein, das ist keine Extremsportart.

Wie in so vielen Fächern gab es da eine Einführungsveranstaltung – also, dass Du und ich klar sind: wir sprechen hier von Jahren, die dieses Studium her ist, vielleicht ist jetzt alles anders und computergesteuert, mit Robotern als Dozenten oder auf den Mond ausgelagert, das weiß ich nicht. Wo war ich? Ach ja: In der Einführungsveranstaltung lernte man die Entstehung der Psycholinguistik, die Bereiche, die Abgrenzung zu anderen Studienfächern usw. Ich will gar nicht so tief einsteigen – ist ja schon ein bisschen her.

Was mir da aber im Gedächtnis blieb, ist ein Ausdruck, den ich lustig fand. Da war von „Hecken“ die Rede. Diese sprachlichen Hecken (um die es in der Vorlesung ging) haben mit „echten“ Hecken (also den Pflanzen) viel gemeinsam. Man kann sich sprachlich hinter ihnen verstecken, man platziert sie gezielt (ob bewusst oder unbewusst). Sie relativieren das Gesagte. Da gibt es schon noch genügend andere Definitionen und Regeln dazu, aber diese Details weiß ich eben noch. Also, wir relativieren Aussagen. Die Gründe liegen in der Kommunikation mit einem Gegenüber. Durch Hecken können sowohl wir uns als auch den Adressaten schützen, wir können ihn damit verwirren oder auf eine Fährte bringen. Dabei sind diese Hecken nicht an bestimmten Wörtern festgemacht, sondern liegen in der Formulierung, im Kontext.

Für das Texten ist das interessant, weil man da etwas bezwecken will. Und man kann diese Hecken nicht von vorn herein verteufeln, weil sie gerade durch ihre Relativierung Aussagen auch glaubwürdiger machen können. Denn wer zugeben kann, etwas z.B. „sozusagen“ zu finden, zeigt dem Gegenüber an, dass er sich auch nicht ganz sicher ist. Oder er bestärkt seinen Standpunkt durch ein „Ich denke“. „Nicht ganz“, „streng genommen“, „in der Art“ – alles Möglichkeiten von Hecken.

Am besten sollen Hecken also keine Aussichten (Aussagen) verdecken, sondern dazu hinführen, sie hervorheben. Und sie sollen da schützen, wo es sinnvoll ist. Die Kunst ist, sie so einzusetzen, dass sie ihren Zweck erfüllen. Eigentlich wie ein Landschaftsgärtner. Eine schöne Vorstellung.

Ich „hecke“ ja gern viel und ausdauernd. Das macht mir Spaß. Gerade hier geht das perfekt. Mein eigener kleiner Garten sozusagen. Der sich zu einem Hecken-Labyrinth auswächst. Aber das ist definitiv eine andere Geschichte …

Mit Bitte um Rückmeldung

Oder: Drei Schritte, um Texter glücklicher zu machen.

Das mit diesem Feedback. Das hatte ich hier schon mal. Aber da ging es mehr ums Feedback kriegen. Wie man es annimmt, wie ich das gut finde.

Aber jeder, der schon mal zu was Relevantem, etwas für ihn oder seiner Firma Wichtigem seine Meinung beitragen sollte, weiß eins: Feedback zu geben ist ganz schön tricky. Ich gehe jetzt mal von all den üblichen zwischenmenschlichen Umgangsformen und deren Beherrschung aus. Obwohl auch manch’ einer diese sich ab und zu vor Augen halten könnte. Aber jetzt mal davon ausgegangen. Gut.

Was wichtig ist: In der Situation, mir etwas anzusehen, auf das ich Feedback geben will, sollte ich nicht gestresst sein (nicht mehr als sonst). Ich nehme mir Ruhe zum Durchlesen: Das kann eine bestimmte Zeit sein oder eben eine ruhige Ecke. Ich stimme mich auf die angenommene Situation ein. Ich werde meist etwas lesen, was mir vollkommen klar ist, dem Leser to be aber noch völlig unbekannt.

Jetzt zu den Feinheiten: Inhalte checken, Fakten checken, Tonfall checken. Oft ist besonders schwierig, das zu sehen, was noch fehlt. Auch das muss man sich lieber noch mal extra vor Augen halten. Und natürlich die Rechtschreibung: Mir hilft oft ein Ausdruck, manches wird in gedruckter Form deutlicher.

Und jetzt kommt die Kür: All das Feedback in eine verständliche Form bringen. Denn am Ende sollten nachvollziehbare, machbare Handlungsanweisungen für den Ausführenden herauskommen. Es ist zwar inhaltlich gut nachvollziehbar, etwas „so nicht“ zu wollen. Aber es macht nicht klar, was gewünscht ist. Eine Richtung ist da hilfreich. Wenn man nicht eh sieht: Ach, das liegt ja eigentlich nur an einem Wort oder einer missglückten Formulierung. Oder an der fehlenden Rechtschreibung. Aber dann kann man das eben auch genau so beanstanden.

Das schreibe ich natürlich aus reinem Eigennutz. Denn meist sitze ich am Ende dieser Strippe. Oder E-Mail. Und so gebe ich gern ordentliches Feedback. Und ich freue mich andererseits immer wieder sehr über Feedback mit Sinn und Verstand.

Komma. Tada!

Oder: Kommata. Da!

Diesen Eintrag schreibe ich zu Ehren dieser schönen Headline in Kombination mit der Subline. Und er wird ein guter werden!

Denn schließlich ist das Thema schön. Ja! Mögen da wohl einige laut lachen, einen kleinen Seufzer der Hilflosigkeit unterdrücken oder sich genervt abwenden: Ich mag Kommas. Denn auch diesen Plural gibt es offiziell. Aber das so irritierende „Kommata“ gefällt mir genauso. Früher dachte ich, das wäre ein mir noch unbekanntes Satzzeichen und war eine Zeit lang auf der Suche nach ihm. Das ominöse „Kommata“. Jetzt weiß ich’s besser.

Aber ich weiß gar nicht, ob die schon immer da war, diese Komma-Phobie, oder erst mit der Rechtschreibreform solch bunte Blüten angenommen hat. Denn ob Stadt oder Land, Plakat oder LKW, Internet (brrr, so viel, so oft) oder im TV, die Komma-Fehler sieht man allerorten! Wenn man sie halt sieht. Viele haben mit einer teils völligen Leugnung der Existenz dieses Satzzeichens aufgegeben, manche versuchen sich an einer Flut davon in ihren Sätzen und vermeiden damit auch keine Fehler. Manch einer vergnügt sich mit einer gemäßigten, aber völlig willkürlichen Streu-Lösung. Das macht mich zwar nicht direkt wahnsinnig, aber geschieht dies im professionellen, sprich Texter-Umfeld, schockiert es mich doch auch mal. Wer hat denn gern Rechtschreibfehler in seiner Broschüre, auf seiner Website oder seinem Angebots-Plakat!? Da ist man sich doch lieber seiner Unsicherheit bewusst und fordert nach einem Lektorat. Oder man lernt es. Eignet es sich an. Ich will ja nicht sagen, ich sei unfehlbar. Weit entfernt! Bestimmt! Aber so eine Grundlage an Kommasetzung. Überhaupt: Satzzeichen. Aber das ginge jetzt zu weit. Ja. Ok.

Oder doch nicht. Denn am Ende. Ganz zum Schluss. Und wenn’s dann wirklich vorbei ist, der Satz, der Text, der Gedanke. Dann – und da können sich wirklich alle sicher sein, sind sich die Experten einig und kann Dir niemand was – , dann macht man einen Punkt: so.

 

Sag’ doch, was Du willst.

Oder: Super Flat-Rate – jetzt noch schneller!

Fällt Dir das nicht auch auf? An jeder Ecke gibt es von diversen Telekommunikationsanbietern inzwischen völlig identische Aussagen über ihre Angebote. Da wird nur noch über MBit/s und mehr Flat, mehr Speed, mehr Home gesprochen. Und das so was von flach. Liegt vielleicht an diesen Flat-Rates …

Aber jetzt mal ehrlich: Es ist ja schön, gute oder bessere Angebote zu haben. Und jeder will möglichst viel Datenvolumen und Internet und Geschwindigkeit und alles möglichst als Flat. Aber dass man das so gar nicht mehr verpackt – also sprachlich, mein’ ich. Da findest Du meist inzwischen keine Idee mehr, außer, dass sie eben das sagen, was es ist, wie viel und wo Du es kaufen kannst. Das finde ich schade. Liegt das wohl an der Komplexität des Sachverhaltes? Weil – mal so unter uns Pfarrerstöchtern – solch ein Handy-Tarif ist inzwischen nicht mehr eine Entscheidung, sondern ein Hochschulstudium. Und was dabei oft völlig flöten geht: WER sagt das mir gerade eigentlich? Da muss ich mir so viel merken: Geschwindigkeit, Freiminuten, Gratis-SMS usw. Da weiß ich vielleicht noch, wie immens billig das Angebot ist. Aber welcher Anbieter von den vielen war das noch mal? Also, wenn ich da nicht gerade die Farbe vor Augen habe, dann bin ich da völlig aufgeschmissen. Das kann doch dann auch nicht der Sinn der Werbung sein. Und dem allen nicht genug – meist kommt ein Smartphone-Angebot dazu, dem man nicht widerstehen kann. Oder können soll. Ok, ok, ich seh’s langsam ein: Es geht einfach nicht anders, als wirklich nur das zu sagen, was es zu sagen gibt. Jedwede sprachliche Verpackung wäre unnötiger Ballast. Wäre Schnörkel um die Notwendigkeit der bloßen, nackten Information, die hier so dringend nötig ist.

Schade ist das. Ich sehe jetzt zwar, dass ich sonst wirklich verloren wäre. In einem Wust an Ideen, Image, Fakten, Versprechungen und Vergleichpunkten. Und trotzdem rufe ich es hier laut in die Welt hinaus – ganz ohne Smartphone und egal mit wie viel MBit/s: „Telekommunikationsanbieter aller Länder vereinigt euch: Macht Eure Werbung wieder unterscheidbar!“

Ich helf’ auch gern dabei!

Die Mischung macht’s.

Oder: Warum Nudeln immer ein guter Anfang sind.

 So. Nun hatten wir das das letzte Mal mit dieser Ordnung. Und mit der Reihenfolge. Und mit dem Gewohnheitstier Mensch. Und dass das auch nicht immer so cool ist. Oder so einfach.

Und doch, wenn man sich das mal überlegt, ist es am Ende gar nicht so abstrakt. Sondern eher wie Nudeln kochen. Komisch eigentlich: Mir fallen oft Essensvergleiche oder Kochvergleiche ein. Vielleicht, weil ich selber gern beides tue. Nun ja. Also, wo war ich. Genau: Nudeln kochen. Eine meiner liebsten Tätigkeiten. Und die kennt ja nun auch jeder. Und das kann auch fast jeder (wie gut, das ist eine andere Frage, aber das ist ja auch kein Food-Blog). Eine perfekte Basis für wilde, einfache, langweilige, komplizierte, überraschende, anödende, ausgefallene Kreationen. Aber das liegt dann meist nicht mehr an den Nudeln, sondern an dem, was dazu kommt. Siehst Du, worauf ich hinaus will? Genau! Die Mischung macht’s! Man hat eine Basis, die man gut kennt. Die Sicherheit verspricht. Und damit wagt man sich an Neues heran. Oder eben auch nicht. Damit scheitert man kläglich, feiert Triumphe, schlägt Schlachten oder eben auch nicht. Oder ganz anders. Eine solide Basis verspricht noch lange nicht eine gelungene Kreation. Aber: Sie ist ein guter Anfang.

Und für jeden, der immer noch wacker weiterliest und nicht schon zum Herd geeilt ist: Was macht dann die Mischung aus? Ob nun Konzept, Text oder Grafik – ich glaube, man braucht meist sowohl Gewohntes und Überraschendes, Bekanntes und Innovatives. Das ist ja auch das Wesen einer Idee: Sie verbindet Dinge miteinander, die so vorher nicht verbunden waren. Sie zeigt im besten Fall Seiten eines Produktes oder Angebotes, die die Zielgruppe überraschen, faszinieren, die ihr gefallen. Aber die sie eben dem Produkt oder Angebot auch zutrauen. Die sich nicht völlig aus der Luft gegriffen anhören, die ihnen aber so vorher nicht klar waren. Die eigentlich schon immer im Produkt geschlummert haben. So soll es sich anfühlen. Und dann fühlt es sich richtig an.

Und wie war das vorher mit den Nudeln? Wo sind die jetzt? Abgefrühstückt, Mann! Gegessen!